Stefan Tietgen
Wie und wann entstand der Kontakt zu den Karl May Spielen von Bad Segeberg?
Von 1984 bis 1992 war ich bei den Karl-May-Spielen in den verschiedensten Funktionen aktiv und habe dabei meine Erfahrungen gesammelt, ob als Reiterkomparse, Tonassistent, Geräuschemacher, Requisiteur oder Inspizient. Vor 10 Jahren wurde ich von der Geschäftsführerin, Ute Thienel, dann gefragt, ob ich die Aufgabe des Produktions- und Spielleiters übernehmen möchte. Diese Verantwortung trage ich jetzt seit dem Jahr 2000.
Besaßen Sie eine klare Vorstellung von ihrer neuen Aufgabe, ob gab es so etwas wie eine Einarbeitung, ggfs. durch den Vorgänger?
Natürlich haben mir meine verschiedenen Funktionen bei den Karl-May-Spielen geholfen, um die verantwortungsvolle Aufgabe als Produktions- und Spielleiter wahrnehmen zu können.
Welche Eigenschaften sind zur Ausübung ihres Jobs besonders wichtig?
Gelassenheit, Durchsetzungsvermögen, Konzentrationsvermögen, Entschlossenheit, Improvisationsvermögen, Verhandlungsgeschick, Organisationstalent…
Welche Möglichkeiten haben Sie, eigene Ideen einzubringen?
Die Karl-May-Spiele sind eine Gemeinschaftsaufgabe, die in monatelanger Arbeit mit einem kreativen Team, wie Geschäftsführung, Autor, Bühnenbildner, Regisseur, Produktionsleitung und anderen Abteilungen erfüllt wird.
Ihr schlimmstes Erlebnis bzw. die größte unvorhergesehene Herausforderung?
Zu den größten Herausforderungen gehören unvorhergesehenen Ereignisse während der Aufführung und natürlich auch das Umbesetzen von Schauspielern, wenn ein Kollege krankheitsbedingt ausfällt. Gerade dann ist es aber auch immer extrem wichtig, wenn man auf seine Kollegen im Team zählen kann und über ein gutes Netzwerk an Darstellern verfügt.
Was passiert, wenn Sie ausfallen? Wie geht es dann weiter?
Zum Glück bin ich in den vergangenen 10 Jahren noch an keiner der 720 Aufführungen ausgefallen. Sollte es dennoch einmal aus gesundheitlichen Gründen der Fall sein, wird mein Bruder mich vertreten und für einen reibungslosen Ablauf sorgen.
Gibt es einen besonderen Wunsch den sie sich in Ihrer Aufgabe erfüllen würden, wenn Sie dürften?
Eine Drehbühne, Klettern vom Naturfelsen, 10 Büffel, einen Sechsspänner, mind. 20 männliche Reiter….
Wir leben in einer hochtechnisierten Welt. Wie wichtig sind Computer bei der Erfüllung Ihrer Aufgabe?
Nur bei der Probenplanung verlasse ich mich zu 100% auf meinen Computer. Mein Arbeitsplatz in der Regie besteht aus einem Telefon, meinem Ablaufbuch, einem Kontrollmonitor und einem Walkie-Talkie.
Ab wann sind Sie in eine neue Produktion eingebunden? Wann beginnt für Sie die neue Saison?
Häufig schon in der noch laufenden Saison, offiziell dann aber spätestens ab Anfang Oktober des Vorjahres.
Womit beginnt für Sie der Arbeitstag während der Saison? Mit einem Bühnenrundgang?
Zunächst einmal mit einem Blick gen Himmel und anschl. auf „wetteronline.de“. Dann vor Ort startet er in der Tat mit einem Bühnenrundgang.
Worauf wird vor einer Vorstellung besonders geachtet?
Sind alle Beteiligten (inkl. der 4-beinigen Darsteller) vollzählig und einsatzbereit, ist die Technik bereit, sind alle Schauspieler verkabelt und die Mikroports sendefähig.
Wie oft müssen spontane, schnelle Änderungen vorgenommen werden? Wie setzt man das um?
Je nach Wetter, denn diese ergeben sich meist auf Grund der Witterungsbedingungen (Regen, Gewitter). Wenn sich dieses Ereignis bereits vor der Vorstellung einstellt, versuchte ich meist mit den betroffenen Schauspielern eine andere Auf- und Abtrittsmöglichkeit zu finden. Diese Änderungen müssen dann aber auch mit allen anderen Gewerken (Pyrotechnikern, Licht und Tontechnik) besprochen werden. Die Kommunikation während einer Vorstellung erfolgt über den Inspizienten, der für mich als quasi verlängerter Arm auf der Hinterbühne agiert. Bei ganz extremen Witterungsbedingungen komme ich mir dann häufig wie in einem Flughafentower vor.
Wie stressig ist Ihr Job? Wie geht man mit der großen Verantwortung um? Wo finden Sie Ihren persönlichen Ausgleich?
Mit den Jahren gewinnt man immer mehr an Erfahrung und dadurch auch an Gelassenheit. Wenn sich dieser Umstand bei mir nicht mehr eingestellt hätte, dann hätte ich vor einigen Jahren schon das Handtuch geschmissen und mir einen ruhigeren Job gesucht. Als Ausgleich treibe ich in meiner Freizeit viel Sport, wohne mittlerweile wieder in Bad Segeberg und genieße die Natur. Wenn das Wetter mitspielt, dann gehe ich schon früh morgens im Ihlsee schwimmen.
Was macht den Reiz an Ihrem Beruf aus?
Hier in Segeberg bin ich die meiste Zeit an der frischen Luft. Arbeite mit kreativen, interessanten, zum Teil jungen, aber auch sehr erfahrenen Kollegen zusammen und kann mich immer wieder darüber erfreuen, wenn es den Zuschauern gefällt, was wir erarbeiten und auf die Beine stellen.
Wird Ihr Job nicht nach einer gewissen Anzahl von Vorstellungen zur bloßen Routine?
Jede Vorstellung ist anders. Am Morgen weiß man nie genau, wie der Tag zu Ende geht. Wenn ich allerdings schon durch die Regentropfen auf meinen Scheiben geweckt werde dann weiß ich, heute muss ich mich auf viele Umstellungen einstellen. Routine wäre gefährlich. Um immer das richtige Kommando zu geben muss man hellwach und hochkonzentriert sein.
Haben Sie einen Wunschdarsteller für die Zukunft?
Martin Semmelrogge war schon da…;-) Ach, es gibt noch so viele gute Darsteller, lassen Sie sich überraschen, wir sind dran…
Welches war für Sie persönlich die denkwürdigste Saison? Wieso?
2007. Gojkos Abschied.
Sind Sie der letzte, der die Arena nach einer Abendvorstellung verlässt? Schließen Sie quasi die Türe ab?
Zum Glück haben wir heutzutage einen Wach- und Schließdienst…;-) Aber ja, ich drehe nach jeder Abendvorstellung noch eine Runde über die Hinterbühne. Spreche mit den Kollegen über Verbesserungsmöglichkeiten, oder trinke mit ihnen einfach nur ein Feierabendbier.
Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die vor Ihnen liegende Saison.