Flower oder Indian Power – die 70er Jahre
1970 nahm Erfolgsgarant Wulf Leisner seinen Abschied. Mit einer erneuten Inszenierung von „Der Ölprinz“ knackte man wieder einmal die 100.000er Grenze und bekanntlich soll man gehen, wenn es am schönsten ist. Ein Generations-wechsel wurde vollzogen. Dauer-Held Harry Walther hatte die Spiele bereits 1969 verlassen. Heinz-Ingo Hilgers, für viele bis heute der einzig wahre Winnetou-Darsteller, feierte gemeinsam mit Leisner seinen Abschied vom Kalkberg. Privat sollte er aber der Spielstätte bis zu seinem Tod verbunden bleiben. Die Filmreihe der diversen Karl May Ver-filmungen durch die Produzenten Horst Wendtland und Arthur Brauner lief aus – die Zeit für neue Heldenfiguren schien gekommen. Nicht nur politisch und wirtschaftlich stellten die siebziger Jahre eine Phase des Wandels und der Veränderung dar. Der neue Indendant und Regisseur Toni Graschberger griff auf bewährtes zurück („Winnetou“ –1971, „In den Schluchten des Balkan“ –1972), wagte sich aber insbesondere mit „Das Vermächtnis des Inka“ 1974 an einen ungewohnten Südamerika-Stoff, der sich als echter „Box Office Hit“ erwies. Eine erneute Inszenierung eines in Südamerika angesiedelten Romans gab es seither nie wieder. Eine Ausnahmeinszenierung stellte auch „Unter Geiern“ von 1973 dar. Die Buchvorlage stammte aus der Feder des zwischenzeitlich im sauerländischen Elspe maßgeblichen Verantwortlichen Jochen Bludau. Noch ahnte am Kalkberg niemand, dass sich hier bald ein Konkurrent von internationalem Format auftun würde. Doch das Auf- und Ab der Zuschauerzahlen schien die Stadtväter zu beunruhigen. So wurde für die Spielzeit 1975 ein alter Bekannter in neuer Funktion verpflichtet: Shatterhand-Darsteller Harry Walther kehre als Regisseur und Autor an den Kalkberg zurück. Mit modernem Inszenierungsstil und der Verpflichtung zugkräftige Stars mit internationalem Kinoformat führte er die Spiele innerhalb von zwei Jahren rechtzeitig zum 25 jährigen Bestehen zu neuen Spitzenergebnisses. Doch auch Walthers Erfolg sollte nicht von Dauer sein. Bereits 1977 zeichnete sich ab, dass der aufwändige Inszenierungsstil kein Erfolgsgarant war. Spätestens 1978 geriet Walther unter Druck und die enttäuschenden Zahlen der Saison 1980 bedeuteten das Aus für den ehemaligen Old Shatterhand. So war die Zukunft der Karl May Spiele Ende der siebziger Jahre ungewiss, zumal sich in Elspe mit der Verpflichtung von Pierre Brice und dem explosionsartigen Anstieg der Zuschauerzahlen erstmals eine ernsthafte Konkurrenz ergeben hatte. Die Zeit der Unschuld am Kalkberg war vorbei.
Eine kleine Übersicht der Spielzeiten:
1970 – Der Ölprinz
1971 – Winnetou
1972 – In den Schluchten des Balkan
1973 – Unter Geiern
1974 – Das Vermächtnis des Inka
1975 – Old Surehand
1976 – Winnetou I & II
1977 – Der schwarze Mustang
1978 – Durchs wilde Kurdistan
1979 – Old Firehand
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