Aktuelles
31. August 2010 | 22:05 | Geschrieben von Heinz-Gerd

Text: Andreas Hardt
Wenn in den vergangenen Jahren die Kameras auf die großen Stars gerichtet waren, das Blitzlichtgewitter sich über diese ergoss und sich zigtausende am Spektakel in der Kalkbergarena erfreuten, blieb einer regelmäßig bescheiden im Hintergrund. Stets lag ein zufriedener Ausdruck über seinem Gesicht, denn nur vor dem Panorama der von ihm erschaffenen Kulisse des Wilden Westens konnten Janson, Carpendale, Bach, Otto, Glatzeder, Semmelrogge, Mitic und Sander zu Höchstform auflaufen. Ihr Applaus war auch stets der seine. Doch gekannt, hat ihn kaum einer der hunderttausenden von Besuchern.
Ulrich Schröder, der seit 2001 für Entwurf und Errichtung des Bühnenbildes der Segeberger Karl May Spiele verantwortlich zeichnete, ist vor wenigen Tagen im Alter von 67 Jahren verstorben. Im nächsten Jahr, pünktlich zum 60 jährigen Jubiläum der Traditionsspiele, hätte Schröder seine Dekade am Kalkberg vollendet. Leider sollte ihm dies nicht mehr vergönnt sein, er verstarb mitten in den Vorbereitungen für die neue Saison. Schröder, der auf Empfehlung des seinerzeitigen Regisseurs Norbert Schultze jr. 2001 an den Kalkberg kam, konnte auf eine jahrzehntelange erfolgreiche Tätigkeit als Bühnenarchitekt zurückblicken. Egal ob „Schwarzwaldklinik“, „Sesamstraße“ oder „My fair lady“: Schröder schuf für viele Erfolgsproduktionen der letzten 30 Jahre die Kulisse – und damit eine Welt, die andere in ihrer Phantasie erdachten. Ich hatte das Vergnüg
en, den stets bescheidenen und freundlichen Ulrich Schröder 2004 persönlich kennen zu lernen. Von da an riss der Kontakt nicht mehr ab und Ulrich Schröder war sich nie zu schade, mir, dem technischen Laien, mit Geduld und Ausdauer die Raffinessen und Funktionsweisen der von ihm erdachten Bauten zu erklären.
Wenn wir erleben durften, mit welcher Gründlichkeit, Fantasie und Begeisterung dieser Mann seiner Arbeit nachging, dann schmerzte schon, verschiedentlich von selbsternannten Experten der Karl May Szene lesen zu müssen, die von ihm entworfenen Kulissen hätten „Playmobil“ Charakter. Mit Schröder verlieren wir den Architekten der wahr gewordenen Traumwelten Karl Mays. Ich werde Ulrich Schröder stets in bester Erinnerung halten und im Namen der WWR spreche ich den Angehörigen unsere Anteilnahme und Mitgefühl aus. Farewell, Master Schröder!
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29. August 2010 | 19:06 | Geschrieben von Malte
Die diesjährige Inszenierung „Halbblut“ der Karl May Spiele von Bad Segeberg basiert auf dem Roman „Der schwarze Mustang“. Dort kann man
folgende Passage lesen:
„An den Tischen saßen und auf den Lagern hockten wohl an die zweihundert Bahnarbeiter, kleine, langzöpfige Burschen mit gelber Gesichtsfarbe, hervortretenden Backenknochen und schief geschlitzten Augen, die sich erstaunt auf die beiden überlangen Gestalten richteten. „Pfui Teufel! Chinesen! Das konnten wir uns denken, denn man roch es schon von draußen. Kommt schnell in den kleinen Room, wo die Luft vielleicht genießbarer ist.“
Häufig beklagen May-Puristen die freie Auslegung der Romanvorlagen auf diversen Theaterbühnen. Doch derartige Passagen sind heute weder zeitgemäß noch geeignet, einem – in Teilen auch noch minderjährigen – Publikum zu präsentieren, da entstände ein gänzlich falsches Bild. Der Fairness halber sei jedoch darauf hingewiesen, dass der Chinese nicht nur bei Karl May zur Witzfigur verkam: in Lucky Luke Comics ist er stets genauso vertreten wie als Koch in der legendären Western-Fernseh-Serie „Bonanza“. Autor Michael Stamp hat in seiner diesjährigen Bearbeitung der Romanvorlage eine Figur eingearbeitet, die im erfreulichen Gegensatz zu der aus dem obigen Zitat hervorgehenden Haltung Karl Mays steht: ein freundlicher, konsequenter und selbständiger Charakter voller Mut und Einfallsreichtum: Hong Ki Tong. Das Anforderungsprofil für diese Rolle war nicht einfach zu erfüllen: neben der asiatischen Herkunft erwarteten die Verantwortlichen noch eine ganze Menge mehr von dem entsprechenden Darsteller. Dieser in der langen Geschichte der Karl May Spiele wohl einzigartigen Herausforderung stellte sich Van-Lam Vissay, der zwischenzeitlich auf der Hinterbühne am Kalkberg seinen 34. Geburtstag feierte.
Das Interview gibt es hier zu lesen.
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26. August 2010 | 16:30 | Geschrieben von Heinz-Gerd
Weitensfeld – Kein Karl May aber gutes Theater
Bevor meine kurze Kritik zu den Karl May Festspielen in Weitensfeld zu lesen ist, möchte ich kurz auf das eingehen, was für ein Art von Geschichte es dort zu sehen gibt. Es ist kein Karl May! Weder die Interpretation der Winnetou-Figur, noch die gezeigte Geschichte sind auch nur ansatzweise mit dem Mayschen Original in Einklang zu bringen. Thomas Koziol, Regisseur, Autor und Winnetou-Darsteller in einer Person, folgt damit konsequent seiner Linie, einen Western mit Figuren von Karl May auf die Bühne zu bringen. Den Western-freund wird es freuen, den Karl May Puristen ohnmächtig werden lassen. Weil Koziol damit sehr offen umgeht und es ihm bewusst ist, das er den May Puristen mit seiner Inszenierung nicht erreichen kann, war ich darauf vorbereitet und habe einfach das gezeigte ganz unbefangen auf mich wirken lassen. Karl May Freunde, die eine möglichst genaue Adaption der Bücher auf einer Bühne sehen wollen, sollten jetzt mit dem Lesen aufhören. Alle Western-Freunde lade ich ein, meine kurze Kritik zu lesen.
Das Bühnenbild wirkt ein nüchtern und karg. Zur rechten stehen ein Saloon, durch dessen Fenster man leider
Plastikfolien sehen kann, sowie ein imposantes Fort mit beeindruckender Westernstadt im Hintergrund. Allerdings ist diese erst dann zu sehen, wenn das Fort seine Tore öffnet. Im linken Bühnenbereich sieht man ein schön gestaltetes Pueblo, welches gleich in den ersten Szenen genutzt wird. Im mittleren Bühnenbereich befindet sich eine Höhle samt kleinen „Tümpel“. Im Laufe der Inszenierung erfährt das Publikum, dass es sich bei dem „Tümpel“ um den „Silbersee“ und bei der kleinen Höhle um den Zugang zum Schatz im Silbersee handelt. Insgesamt wirkt das Bühnenbild ein wenig fad, weil viel zu lieblos gestaltet. Lediglich Fort samt Stadt weiß zu gefallen. Hier scheint insgesamt an Geld gespart worden zu sein. Möglicherweise hat man diese Ersparnis dafür in diesem Jahr in besonds erstklassige Schauspieler investiert. Allen voran in Albert Fortell, der heuer als Gastdarsteller die Rolle des Old Shatterhand ausfüllen darf. Und das macht er gut. Fortell überzeugt mit deutlicher Sprache und ausgezeichneter Mimik, die niemals aufgesetzt wirkt. Im Gegenteil: ihm nimmt man den deutschen Westmann, der stets für Gerechtigkeit kämpft, absolut ab. Fortell darf in seiner Rolle sogar seinen Blutsbruder anschreien, um ein Unrecht zu verhindern. Man muss Thomas Koziol zu dieser Verpflichtung beglückwünschen. Fortell sorgte nicht nur für eine große Präsenz der Spiele in den österreichischen Medien, sondern spielte sich mit seiner Art die Rolle des Mayschen Helden zu interpretieren, in die Herzen der Fans. Er selbst ist ebenfalls glücklich und dankbar für diese Erfahrung. „Wir spielen hier 50 Prozent Theater und der Rest ist Rock ´n Roll.“ sagte Fortell in einem von uns geführtem Interview (Veröffentlichung folgt in Kürze).
Doch nicht nur Fortell wusste zu überzeugen. Der heimliche Star der Inszenierung ist Wolfgang Lesky, der als gnadenloser Cornel Brinkley auf der Suche nach dem Schatz im Silbersee ist und dafür über Leichen geht. Seine Darstellung ist herrlich dezent und doch so tiefgründig gemein geprägt, dass man als Zuschauer am liebsten auf die Bühne laufen würde, um ihn selber den Blutsbrüdern auszuliefern. Für mich eine der stärksten Darstellungen eines Schurken, die ich bisher auf Karl May Bühnen gesehen habe. Dieses Urteil gilt auch für Sabine Kranzelbinder, die als Ellen Patterson ihre Rolle mit viel Gefühl ausfüllte, ohne dass es zu peinlichen Momenten kam. Absolut professionell. Über Thomas Koziol als Winnetou braucht man kaum noch etwas zu sagen. Er gehört sicherlich zu den besten Winnetou -Darstellern, wenngleich er der Rolle das „märchenhafte“ durch seine Interpretation nimmt. Er sinnt auf Rache, feuert wie ein Wilder aus der Silberbüchse und haucht zwischendurch ganz leise indianische Worte. Gerade an seiner Darstellung merkt man, wie sehr er darauf bedacht ist, den Westen nicht romantisch, sondern so zu zeigen wie er war: hart, dreckig und gnadenlos. Dennoch wirkt er majestätisch und verleiht seiner Paraderolle etwas besonders. Alleine wegen seiner Art der Darstellung lohnt sich ein Besuch der Bühne in Kärnten. Auch der Rest des Ensembles wurde von Koziol gut besetzt. Leider fällt aber auch in Weitensfeld die Rolle des Sam Hawkens erneut negativ auf. Als alkoholisierter Scout blödelt Hawkens, erneut von Helmut Pucher verkörpert, sich durch das Stück. Es ist wirklich schade, das Hawkens nahezu auf jeder Bühne zur Knallcharge verkommt.
Fazit: Wie schon eingangs erwähnt findet man in dieser Inszenierung kaum etwas von der Mayschen Vorlage wieder
und auch das Bühnenbild reißt keinen vom oft zitierten Hocker. Dafür überzeugt das gut ausgearbeitete Buch von Thomas Koziol sowie die komplette Darstellerriege samt Gaststar Albert Fortell. Lobenswert sind die Actionsequenzen und famosen Ritte auf der dafür wunderbar ausgelegten Bühne. Ein Besuch in Weitensfeld lohnt sich definitiv, besonders im nächsten Jahr, wenn Thomas Koziol als Winnetou in seinem wohl besten Stück, Winnetou II, zu sehen sein wird. Es wird zwar gewiss wieder kein Karl May, aber dafür gutes Theater.
Fotoimpressionen von “Der Schatz im Silbersee” aus Weitensfeld gibt es in unserer Galerie.
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25. August 2010 | 19:08 | Geschrieben von Heinz-Gerd
“Der Mann mit den zwei Gesichtern”
Interview mit Ingo Naujoks von Andreas Hardt & Malte Gleßmann
Es gibt Schauspieler, deren Vita sich in weiten Teilen identisch liest: Schulabschluss, Ausbildung an der Schauspielschule XY, Auslandsaufenthalt, Praktikum hier, Zusatzausbildung da, Engagement in Soap Kennichschon und Habichschongesehen. Dann mal ein Theaterengagement usw. Umso interessanter wirken jedoch diejenigen Mimen, deren Lebensweg hiervon deutlich abweicht, wo man beim Lesen schon spürt, dass einige ungewöhnliche Momente deren Werdegang auszeichnen. Ein solcher Mann wirkt in diesem Jahr in der Aufführung „Halbblut“ am Fuße des Kalkbergs mit: Ingo Naujoks.
WWR: Herr Naujoks, ist Karl May nicht nur was für Spießer? Alles so schön einfach, schwarz und weiß, Gut und Böse…
IN: (lacht) Die Einfachheit in der Betrachtung – das stimmt schon. Aber ich glaube, das hat nichts mit einer „Spießer“-Haltung zu tun. Wir leben in einer so globalen Welt, in der uns tausende von Meinungen, Eindrücken und Informationen zugänglich sind, eine Welt in der es kaum einen Winkel gibt in den man nicht hineinzoomen oder zappen kann, das es manchmal doch ganz schön ist, wenn man Dinge und Sachverhalte vereinfachen kann. So ist es ein großer Vorteil von Karl May, dass die Zuschauer sich neben einer sehr komplizierten realen Welt auf ein etwas eindeutigeres und klareres Erlebnis einlassen können. Das ist eine Welt, in der jeder weiß, wo er steht, ohne wenn und aber.
Das komplette Interview gibt es wie gewohnt hier
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